Dienstag, 8. September 2015

Pferdebedürfnisse, pferdegerechte Haltung und Bedingungen für die Gesunderhaltung

 Der Weg in den Stall

 

Jeden Tag, wenn ich zum Stall gehe und mir meine Pferde anschaue, frage ich mich, wie es ihnen geht: 
Schutz-suchen oder dösen.
  • wenn sie an heißen Tagen Schutzsuchend im Stall dösen, weil dort kaum Bremsen hinkommen - stehen sie gern so lange still?
  • wenn es über 30°C sind und Shira im Stall steht und dennoch Schweißflecken hat - was wünschen oder wollen Pferde bei Hitze? Schatten? Bäume? Wasser? Baden?
  • wenn sie mich am Zaun erwarten, als würden sie da schon lange stehen - haben sie Langeweile?
  • wenn sie im ausgetretenen Trampelpfad zur Tränke gehen - ist der Weg vielleicht nicht lang genug, um ihr Bewegungsbedürfnis zu stillen oder ist er zu sandig und weich und provoziert zu wenig Abrieb der Hufe?
  • Wenn ich abäppel und nicht viel laufen muss, weil sie ihre bevorzugten Stellen haben - reicht der Platz aus?
  • wenn ich sie von der Weide hole, weil die Zeit um ist (für den Winter haben wir keine Winterweide und deshalb geht es dann nur kurz auf eine der Sommerweiden und im Sommer begrenze ich die Zeit, weil Shira sonst rollen würde, die Grasnarbe auf dem Sandboden schnell aufreißt und die Wiesen nicht bis in den Spätherbst "reichen" würden) - wie fühlen sie sich damit? Haben sie sich genug bewegt? Was tun sie den Rest der Zeit? Brauchen sie mehr Anregungen für ein erfülltes Leben? Was erfüllt das Leben eines Pferdes?
  • ...


hierlang zum Artikel über Tierliebe
Ich mache mir Gedanken über die Bedingungen, unter denen meine Pferde leben und träume von einem Pferdeparadies. Wahrscheinlich träumen viele Pferdebesitzer - doch reicht träumen nicht zwangsläufig, um etwas zu verändern. Veränderungen brauchen Platz, die Mittel, die kosten Geld und Zeit und dann Pflege. Schade.
Manchmal bekommt mein Gehirn fast Knoten, weil ich so lange nach einer Lösung suche, mit kleinen Mitteln, mit wenig Platz doch einen Weg zu finden, mehr Bewegungsmöglichkeit und Anregungen zu schaffen, die den natürlichen Bedingungen nahekommen. Zaun - aber mit Natur.
Ich denke, es fehlen mir die richtigen Ideen und Anregungen. Und dann erst das Geld ;)
Auf der Suche nach Ideen und Umsetzungen anderer Stallbesitzer möchte ich Euch hier ein paar schöne Links vorstellen, die zum Träumen und vielleicht Umsetzen anregen.


Zum Wohl der Pferde! Für das Flucht- und Lauftier Pferd! Für die Hufe und einen wenigstens kleinen natürlichen Abrieb! Für Abwechslung und ansprechende Reize, die ein Ausgleich und Beschäftigung sind! Für ein ganzheitlich gesundes Pferd!

Denn: "Kein Pferd gehört dauerhaft in eine Box! - ein wichtiges Thema hier mit klaren Gedanken dazu.


Pferdebedürfnisse kennen und verstehen, um sie zu erfüllen

 

Ich bin ein Mensch, der es genau wissen möchte, mit hohem Anspruch und dem Ziel, mein Wissen durch Experten zu erweitern. Ich brauche Begründungen, fundierte Meinungen und Erfahrungen. Deshalb habe ich mich diesem Thema gewidmet und mich auf den Weg gemacht, die Erfahrungen und Meinungen von Experten in unterschiedlichen Bereichen zu erhalten. Ich hoffe, ihre Ideen und Wissen der Zusammenhänge von Lebensbedingungen und Bedürfnissen von Pferden helfen mir und anderen, Umstände zu optimieren, um ein gesundes Pferd zu erhalten. 


 Interviews: verschiedene Experten - unterschiedliche Antworten?


1. Haltungsbedingungen und Möglichkeiten für einen gesunden Pferdehuf


Frage: "Welche Bedingungen braucht ein Pferdehuf, um seine Aufgabe optimal zu erfüllen?"

Silvia Schleue (Barhufpflegerin):
"Der Pferdehuf braucht möglichst naturnahe Bedingungen. Diese decken sich im Prinzip mit den Bedingungen, die das Pferd sowieso fordert.
Das Pferd ist ein Lauf- und Bewegungstier und der Huf braucht die Bewegung ganz besonders. Nur so kann er sich natürlich Abnutzen. Außerdem arbeitet der Hufmechanismus nur in der Bewegung. Dabei weitet sich der Huf, wenn er Gewicht trägt und zieht sich wieder zusammen, sobald das Pferd den Huf hebt. Dies dient zum einen als Stoßdämpfung beim Laufen, zum anderen als Blutpumpe zur Unterstützung des Herzens. Beim Auffußen wird Blut in den Huf gedrückt, dadurch kommen sowohl Sauerstoff als auch Nährstoffe in den Huf, die dieser zum Wachsen benötigt. Beim Abfußen wird das Blut wieder in den Körper gedrückt, was das Herz in seiner Pumpfunktion unterstützt. Unsere Freizeitpferde leiden fast alle an Bewegungsmangel, was nicht nur für den Huf, sondern auch für das Pferd als Ganzes schädlich ist.
Das Pferd ist ein Steppentier. Das bedeutet für den Huf, dass er dafür gedacht ist auf relativ hartem und meist trockenem Untergrund zu laufen. Nur so halten sich Abnutzung und Wachstum in Waage und der Huf bleibt relativ sauber. Das Hufhorn muss sich natürlicherweise nicht gegen Fäkalien im Boden schützen, was in der Pferdehaltung eines der größten Probleme darstellt.
Als Steppenbewohner ist das Pferd auch relativ spezialisiert in seiner Nahrungsaufnahme. Das Grundfutter (einzig und allein nur gutes Heu) sollte rohfaserreich und nicht so gehaltvoll an Energie sein, aber recht reich an Mineralien. Eine gute Mineralversorgung ist sehr wichtig für gutes Hufwachstum und eine gute Hornqualität. Zu zuckerhaltiges Futter führt nicht nur zu Übergewicht, was generell für das Pferd schädlich ist, sondern auch zu Krankheiten, die auch die Hufe in Mitleidenschaft ziehen, meist in Form einer Hufrehe.
Für mich sind demnach für gesunde Hufe fünf Dinge wichtig: Gutes Futter, guter Boden und Bewegung, Bewegung, Bewegung!"


Freiwillige Bewegung auf der Koppel in/mit der Herde.

Frage: "Welche Möglichkeiten haben Pferde-/Stallbesitzer, um einen möglichst natürlichen Abrieb und Funktion des Hufes zu erzielen?"

Silvia Schleue: 
"Damit der Huf in seiner natürlichen Funktion arbeiten kann, ist eines von entscheidender Bedeutung: das Barhuflaufen. Nur so kann der Hufmechanismus funktionieren. Dazu braucht der Huf eine gute Barhufbearbeitung, die ihn in seiner natürlichen Funktion unterstützt und den natürlichen Abrieb nachahmt, der aufgrund der Haltung fehlt.
Für einen ausreichenden Abrieb der Hufe sind zwei Dinge wichtig: der Untergrund, auf dem das Pferd läuft, und viel Bewegung. Da die wenigsten Reiter Zeit haben, ihr Pferd mehrere Stunden am Tag zu bewegen, erreicht man dies am besten mit sinnvoller Pferdehaltung. Das Offenstallprinzip des "Paddock Trail" sei hier genannt. Ausführungen dazu würden den Rahmen sprengen, man findet im Netz aber wirklich genug schön beschriebene Beispiele. Kurz zusammen gefasst heißt das, die Auslaufflächen so zu gestalten, dass die Pferde auf unterschiedlichen Böden möglichst weite Strecken zurück legen."


hierlang zum Artikel: "Der gesunde Huf - Fehlstellungen erkennen, Zusammenhänge verstehen, um rechtzeitig zu handeln - mit Interview"

2. Pferdehaltung mit Fokus auf einen gesunden Organismus


Frage: "Welche Haltungsbedingungen sollten Deiner Erfahrung und Meinung nach gegeben sein, damit ein Pferd möglichst gesund leben und seine Bedürfnisse befriedigen kann? Gibt es bestimmte Bedingungen, die einen gesunden Pferdeorganismus erhalten oder eben aus dem Lot bringen?"

Diane Diettrich (Tierheilpraktikerin):  
"Bei einer gesunderhaltenden Haltung ist die Fütterung vor allem elementar, hierzu möchte ich auf die Auflistung auf meiner Homepage verweisen: "Eine gesunde & artgerechte Fütterung sieht wie folgt aus:"
Ansonsten bin ich ein absoluter Verfechter von Offenstallhaltung, die in meinen Augen sehr viel anspruchsvoller ist, als Boxenhaltung! Denn hier gilt es eine harmonische Herdenkonstellation zusammenzustellen und so viele Ruhe- & Fressplätze zur Verfügung zu stellen, dass auch das rangniedriegste Tier in der Gruppe stressfrei ausreichend fressen, trinken und schlafen kann! (Ein häufig sauberes Pferd ist ein guter Indikator dafür, dass sich dieses Tier wohl selten wälzt/hinlegt... Die Frage ist wieso?)
Bei geschlechtlich zusammengewürfelten Gruppen oder welchen mit großen Altersunterschieden, sollten immer die speziellen Bedürfnisse der einzelnen Tiere beachtete werden - Achtung diese können sich im Laufe der Zeit ändern!
Zum Beispiel sollte ein Rentner auf der Koppel nicht ständig von tobenden Jungspunden beim Dösen gestört werden und eine zarte Jungstute nicht permanent von einem dominanten Wallach gedeckt werden...
Desweiteren ist ein absolutes Muss im Offenstall und das ist wohl der anspruchsvollste Part: ein Paddock mit ausreichend matschfreien Ruheflächen für Herbst & Winter! 
Lösungen/Anregungen zum pferdegerechten Paddockbau erhält man in der schönen Info-Broschüre der LAG-Offenstallinitiative!"


3. ganzheitliche Betrachtung des Pferdes mit seinen Bedürfnissen



Frage: "Aufgrund Deiner Kenntnis über den Pferdekörper, im Besonderen von Funktionsstörungen, Blockaden und Verspannungen, interessiert es mich sehr, wie Deine Erfahrungen von Pferdegesundheit und Haltungsbedingungen aussehen. Wie und womit erhalte ich ein gesundes Pferd? Was ist Deiner Meinung nach am wichtigsten, wenn man ein Pferd hält?"

Mirjam Berger (Osteopathie und Physiotherapie für Pferde, Leiterin eines Paddock-Trail):  
"Das wichtigste ist einfach die Bewegung (ohne Reiter) da das Pferd nun mal ein Lauftier ist und sich in der Natur langsam grasend fortbewegt. Ich habe häufig mit Boxen Pferden zu tun die Hufprobleme, Atemwegserkrankungen, Blockaden und Verspannungen haben, nur ohne die Haltungsbedingungen dieser Patienten zu ändern, wird es auf Dauer nicht besser werden für diese Tiere."

Frage: "Du hast Deine eigenen Pferde in einem Paddock Trail. Wie kam es dazu? Was hat Dich dazu bewogen, die Pferdehaltung umzugestalten und worauf hast du geachtet, welche Bedingungen hast Du geändert?"

Mirjam Berger:
"Mein Pferd ist ein Kontrollfreak (viele nennen es auch hengstig), daher mussten wir viel reisen in den letzten Jahren, somit kam uns die völlig überteuerte Koppel ;) wie gerufen und wir haben sofort zugeschlagen. Die Tiere können nun auf unserem Paddock Trail in ihrem eigenen Rhythmus leben. Ich finde, dass gerade auch rangniedrige Tiere von so einem Paddock Trail profitieren, da sich diese Tiere ohne Stress (Muskelverspannung und Psychische Probleme) aus dem Weg gehen können. Unsere Pferde müssen lange Strecken zurück legen, um auf die Weide zu kommen oder an das Wasser oder den Unterstand. Gerade EMS und Hufrehe Patienten werden von so einem Konzept profitieren können, da die Tiere ausreichend Bewegung bekommen.
Das Ergebnis sind ausgeglichene und bewegungsfreudige Pferde, die gesund bleiben bis ins hohe Alter."
Ein Rundweg mit Bewegungsanregungen.



4. Pferdehaltung und Fütterung naturnah


Frage: "Pferde sind von Natur aus Steppentiere und dementsprechend ist ihr Organismus ausgerichtet. Sie fressen viele Stunden am Tag, bewegen, sich dabei viel und ernähren sich von Gräsern. Wir haben nicht diese Bedingungen bzw. Futterangebot, wie in der Freiheit (ursprünglicher Lebensraum: Steppe und Grasländer). Worauf sollten wir als Pferdebesitzer achten, damit das Pferd möglichst natürlich Nahrung aufnehmen kann?"

Constanze Röhm (Futterexpertin):
"Dass Pferde Steppentiere und Grasfresser sind, ist lange überholt. Pferde und ihre Vorfahren sind sowohl Wald- als auch Auen- und Steppenbewohner. Je nach Umfeld ist der Körper auf die Art der Nahrung angepasst. Pferde ernähren sich nicht rein aus Gräsern sondern auch aus Busch und Baum. 
Futter- und Kratzbaum
So ist Fettleibigkeit und Hufrehe heute auch durchaus ein "Wildpferdeproblem" ausgewilderter oder verwilderter Rassen mit Zugang Grasland. Mit der selektiven Zucht hat der Mensch die Pferde größer und weniger robust werden lassen. Einige Rassen sind mit der Zeit so veredelt worden, dass sie spezielle Ernährungskonzepte brauchen. um ihren Erhaltungsbedarf zu decken. Diese Pferde können nicht getreidefrei ernährt werden, weil ihre Appetitsgrenze niedrig ist und der Bedarf hoch.
Um ein Pferd gesund zu erhalten, muss es sich bewegen können und bewegen wollen. Es sollte die Möglichkeit haben lange Strecken zu gehen. Dabei darf es allerdings auch nicht um jeden Preis dazu gezwungen werden. Zumindest nicht, wenn man noch Leistung vom Pferd verlangt.
Dazu muss es sein Kaubedürfnis decken können. In der Regel liegt die Appetitsgrenze bei 2-3 % der Körpermasse. Das ist ein theoretischer Wert, der die Grundlage jeder Rationsgestaltung sein muss. Rohfasermangel ist ein Stressfaktor für das Pferd und seinen Körper, der nicht zu unterschätzen ist. Rohfaser darf aber nie mit Heu allein gleichgesetzt werden. Rohfaser umfasst alle Futtermittel, die zum Einsatz kommen können oder sollen. Also Gras, Heu, Stroh, und Holz. Und davon sollte es ständig aufnehmen können. Es darf durchaus Fresspausen geben, sofern diese nicht zu lang sind (4-6 Stunden) und am Besten selbstgewählt sind. Pferde fressen in Zyklen von 2 Stunden und machen dann eine Pause. Fressautomaten mit 20 Minuten Fresszeit halte ich für den Grundstein für hektisches fressen.
Pferde sollten nie um Futter kämpfen müssen. Auch das kommt in der Natur nur in der Not vor und bedeutet Aggression und damit Stress.
Ich halte unsere Pferde so, dass sie an vielen Stellen Futter finden können, dabei umher wandern können. Sie haben jedoch auch die Möglichkeit, geschützt von Wind und Wetter zu fressen. Es gibt bei uns jedoch keine langen Laufwege, die sie auf jeden Fall gehen müssen, um von a) nach b) zu gelangen. Sie fressen zu 3/4 unter Buggelenk und 1/4 ihres Futters darüber und auch mal "hoch". Auch das gehört dazu. Ich unterstütze, dass sie mit ihrem Futter spielen, arbeite mit frei hängenden Netzen und herab hängenden Ästen. Ein Stall mit einem Zaun drumherum kann nie die Natur widerspiegeln. Aber man kann schon sehr nah heran kommen."


Frage: "Gibt es „Fehler“ in der Haltung und Fütterung, die man zugunsten der Gesundheit vermeiden sollte? Welche Auswirkungen hat im Besonderen fehlerhafte und nicht arttypische Ernährung?"

Constanze Röhm:
"Pferde brauchen Platz, müssen laufen, brauchen Licht, frische Luft und Wind, Artgenossen und ausreichend Möglichkeit zu ruhen. Darüber hinaus muss das Kaubedürfnis und das Nährstoffbedürfnis mit qualitativ hochwertigem Futter gedeckt werden. Also eigentlich ganz einfach. Wenn all das gesichert ist, kann kaum mehr was schief gehen.
Der Hauptkrankheitsauslöser ist aber nicht die Fütterung sondern der Bewegungsmangel. Auch bei Offenstallpferden.
Für gewöhnlich weiß der Pferdehalter nicht, wie die chemische Zusammensetzung seines Raufutters, des Grases und der weiteren Futtermittel ist. Viel zu schnell wird zu angesagten Futtermitteln gegriffen, ohne erst einmal zu evaluieren, was überhaupt die Grundfuttermittel mitbringen. In den letzten Jahren ist eine enorme Industrie rund um das Thema "Kräuter", "organisch gebundene Mineralstoffe" und "Entsäuerungskuren" entstanden. Nur weil eine Packung grün ist, darauf hübsche Blumen abgebildet sind oder alles einen sehr alternativen Eindruck macht, ist es nicht besser oder als der kreisch-pinke Eimer. Dazu werden Ängste geschürt und gezielt Fehlinformationen über vermeintliche Krankheiten, böse Bauern, vergiftetes Futter oder schlechte Tierärzte gestreut. Auch das ist Industrie.
Der Pferdebesitzer ist dann oft verunsichert. Denn man will ja nichts falsch machen.
Der Fehler ist, nicht genau hin zu schauen und alles ungeprüft und ohne kritischen Blick zu übernehmen. Dort wo dogmatisch Ideologien verfolgt werden (dies oder jenes ist schlecht etc.), ist die Krankheit nicht weit. Das führt dazu, dass Pferde durch ad libitum Heufütterung grandios verfetten und man sehenden Auges zu Hufrehe steuert. Oder das inappetenten untergewichtigen Pferden Getreide verwehrt bleibt, weil im Internet auf irgendeiner Seite stand, dass ....
Oder es werden unglaubliche Menschen Öl verfüttert, weil der Therapeut gesagt hat, dass ....
Manchmal wird auch etwas gefüttert, weil man das schon seit 30 Jahren so macht - auch wenn der Stand der Forschung längst ein anderer ist.
Eine fehlerhafte Ernährung ist immer schlecht und beginnt mit dem "nicht genau Bescheid wissen". Das Internet bietet eine Vielzahl von Halbwissen und Fehlinformationen, die in der Praxis problematisch sein können. Wenn man nicht genau Bescheid weiß, sollte man sich weiter bilden oder jemanden suchen, der wirklich weiß, wovon er spricht. Und selbst das kann man hinterfragen.
Der zweite Fehler ist, nicht genau zu wissen, was im eigenen Grundfutter so alles enthalten ist. Wenn ich meinen Tanzpartner und den Tanz nicht kenne, ist es schwierig im Takt zu sein. Wenn ich eine Ration sinnvoll zusammenstellen will, muss ich die einzelnen Komponenten kennen.
Der dritte Fehler ist die nicht korrekte Einschätzung der genetischen Disposition des eigenen Pferdes. Das heißt, man schätzt den Bedarf oft zu lapidar ein. In beide Richtungen. Zu viel und zu wenig. Auch hier muss man sich in Ruhe mit der Frage befassen: Was hat sich die Natur bei meinem Pferd gedacht? Wo würde es leben? Was würde es tun? Wozu wurde es gezüchtet? Was und wie viel braucht es zum Leben?
Aufgrund der vielen hundert Pferde, die ich im Jahr sehe, kann ich nicht sagen, dass der deutsche Pferdebesitzer per se zu viel oder zu wenig füttert. Er füttert aber in jedem Fall zu dogmatisch. Zu wenig den echten Bedürfnissen entsprechend und häufig viel zu aufwändig. Wenn man täglich 30 Minuten braucht, um das Pferdefutter anzurichten, dazu 7 Eimer öffnen und schließen muss, läuft was falsch. Die Auswirkung fehlerhafter Fütterung ist immer ein krankes Pferd. Egal wie man es dreht und wendet.
Aber die mächtigste Waffe gegen diese Fütterungsfehler ist: Bildung."


Was machst Du, um den Bedürfnissen Deines Pferdes so naturnah wie möglich gerecht zu werden?
Hinterlasse mir und anderen Lesern gern ein Kommentar hier unter dem Artikel!

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zum Weiterlesen:

von Tash Horse Experience:  "Getreidefreies Futter – wieder so ein neuer Trend? Oder: Was braucht ein Pferd wirklich?"
von Pferdefreunde: "Mineralstoffe – Was sie bewirken und wo sie vorkommen"
zu den Bedürfnissen bei Pferden von Nordfalben: "Vermenschlichung"


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