Dienstag, 11. November 2014

Ein unterschätztes Thema: das Anbinden

Jedes Pferd kennt es, jeder Reiter nutzt es: das Anbinden.

Zum Putzen und Satteln wird ein Pferd am Halfter mit einem Strick angebunden. Je nach Gegebenheit an einem Anbindebalken, einem Anbindering o. ä. Sicherheitsmaßnahmen werden hoffentlich überall beachtet. Denn bekommt ein Pferd einen Schreck und macht einen Satz, spannt das Seil und sollte dann keine Unfälle zur Folge haben. Darauf möchte ich jedoch gar nicht eingehen. Auch nicht, wie der Knoten gemacht wird oder die Länge des Seils. Einfach der Punkt des Anbindens ist mir in diesem vergangenen Sommer oft durch den Kopf gegangen. Wir haben hier viele Bremsen und die stechen ....

Vorerst noch einen Schritt zurück:
Schon vor Langem fing ich an mein Pferd beim Putzen und Satteln nicht festzubinden, sondern den Strick nur locker über den Balken oder gar auf den Boden zu legen (wie beim Ground Tying). Mein Ziel war ein aufmerksames Pferd, das warten kann, warten auf mein Signal und nicht selbständig zum Gras läuft, nur weil der Appetit gerade größer ist als die Freude beim Putzen.
Diese Art des Anbindens verschafft Vertrauen: vom Mensch in das Pferd und umgekehrt, da der Mensch wesentlich aufmerksamer ist und schneller reagiert, sei es durch die Stimme oder mit einer Korrektur. Es ist eine tolle Übung, dass das Pferd bspw. auf "pass auf" hört und mit feinen Hilfen bewegt werden kann - ein Vorderbein, die Hinterhand, vor oder zurück ohne großen Körpereinsatz.
Die Beziehung zu meinem Pferd wurde vertrauensvoller, die Hilfen und Signale feiner, es lernte zu warten.
Hilfreich ist hier auch der Ansatz von Michael Geiter (Be Strict).

Das Pferd sollte immer mit der Aufmerksamkeit beim Menschen sein. Wenn das Pferd das Aufpassen für sich übernimmt, erschrickt es schneller und macht sich eher selbständig. Das hilft der Beziehung nicht. Außerdem ist eine Reaktion des Menschen dann meist zu stark und zu spät. Es wirkt auf das Pferd unverständlich, da es alles richtig gemacht hat und plötzlich gestraft wird. Wenn wir vom Pferd Aufmerksamkeit verlangen und sie erhalten, können wir Anfragen des Pferdes (wenn es etwas hört, sieht, zum Gras möchte) wesentlich schneller
beantworten ohne grob zu werden. Die Kommunikation wird auf der Basis-Ebene schon verfeinert, bevor man überhaupt im Sattel sitzt.
Diese Erziehung ist eine Grundlage für das weitere Miteinander.

Wenn ich mein Pferd also nicht anbinde, muss ich in der Nähe bleiben, weite Wege zur Sattelkammer o.ä. sollten vermieden werden, denn dann kann das Pferd den Menschen nicht mehr als Aufpasser sehen und übernimmt wieder die Aufgabe, sich um seine Sicherheit zu kümmern.
Es ist dennoch eine schöne Übung das Pferd stehen zu lassen und weiter weg zu gehen ohne dass es sich rührt.

Nach und nach habe ich meine Pferde wieder angebunden, besonders wenn ich mit Kindern am Stall war oder putzte, da ich häufiger hin und her gehe und es so einfacher war.

Nun einen Schritt weiter.
Wenn ich mein Pferd anbinde, kann es also den Kopf nicht weit bewegen, sonst wäre der Strick zu lang. Ich fragte mich jedoch trotzdem oft, was ist dann aber mit den Fliegen und Bremsen im Sommer? Die haben es gut aber mein Pferd? Immer wenn es dem Reflex folgt, einen Plagegeist zu verscheuchen, erhält es einen Ruck am Halfter (oft im Genick, einem sehr empfindlichen Körperteil). Das ist ungerecht. Und es kann ungesehene Verspannungen und Blockaden hervorrufen. Für ein partnerschaftliches Miteinader empfinde ich es als notwendiges Entgegenkommen, dem Pferd besonders im Sommer diese Möglichkeit oder Freiheit zu lassen, sich Schmerzlos mit Kopf und Hals zu bewegen. Und hier sind wir wieder am Anfang: wie Vorteilhaft ist es, mit seinem Pferd das "freie" Anbinden zu üben. Es reicht auch, das Seil locker zu befestigen und immer zu korrigieren, wenn das Pferd wegschleichen möchte. Ansonsten ist das Bedürfnis, sich von Bremsen zu befreien doch wie ein "Menschenrecht" oder? :)
Nun übe ich das auch mit Kindern. Sie verstehen und lernen schnell und es ist eine schöne Konzentrationsübung, das Pferd nicht aus dem Blick zu lassen, sanft und konsequent zu reagieren (differenziertes Einsetzen der Körpersprache) und vorausschauend zu handeln (nicht zu weit weg gehen, die Ohren beobachten, Reaktionen einschätzen).


Viel Spaß beim Üben!

Ich freue mich auf Erfahrungen.








Kommentare:

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