Montag, 1. Juni 2015

Führ-Parcours Teil 3 - Bewegungsmöglichkeiten im Gelände

Ich möchte hiermit an die vorherigen (schön älteren) Blog-Beiträge zum Führ-Schritt-Parcours anknüpfen. Aufgrund von Nachfrage und meiner eigenen Pferde ist dieses Thema immer wieder aktuell: Wie bewege ich mein Pferd ohne zu viel zu verlangen? (gerade bei dickeren Pferden, die ausbalanciert genug sind)

Ich muss vorneweg sagen, dass es immer auf die persönliche Situation und das Pferd ankommt, was ich wann tun kann. Das Beste ist möglichst viel Auslauf in sozusagen freier Bewegung.

Jedes "Training" sollte mit einer guten Aufwärmphase beginnen, zum Lösen, loslassen, entspannen, zuhören und richtigem Schreiten. Schritt ist die wichtigste Gangart und kann eine Menge bewirken: lösen, konditionieren, beweglicher machen und versammeln je nach Können des Menschen.

Es ist immer ratsam sich für weitere Schritte einen Trainer mit Erfahrung zu suchen, der mit Ideen hilft, aber auch Rückmeldungen zur Körpersprache, Hilfengebung und Schulung des Pferdes nach biomechanischen Gesichtspunkten gibt, um Balance und eine aktive Hinterhand zu fördern.

 In diesem Beitrag möchte ich ein paar Anregungen geben, wie man in das "Training" mehr Bewegung einbringen kann. Freie Bewegung ohne Ziel der Formung - freiere Bewegung als Pause und Erfrischung oder Abwechslung und Spaß.

Ihr seid dazu eingeladen unten in den Kommentaren Eure Erfahrungen und Ideen zu hinterlassen.



Führ-Parcours 1 - im Gelände



Eine der schönsten Möglichkeit sein Pferd zu bewegen und Spaß, Abwechslung und äußere Reize gleich mit dabei zu haben, ist das Spazierengehen. Und außerdem förderst Du Dich selbst, hältst Dich fit und trainierst Deine Ausdauer und Beweglichkeit. Auch schulst und förderst Du auf diese Art Deine Körpersprache.

Denn jedes Miteinander basiert auf der Körpersprache. Im Gelände musst Du umso mehr überzeugend und spannend sein, damit keine Langeweile aufkommt oder das Pferd Dich herumführt oder grasen geht. Durch die vielen Reize und Ablenkungen festigt Ihr Eure Beziehung, wenn Du sanft, durchdacht und konsequent die Aufmerksamkeit und Motivation im Miteinander (Zuhören und Kommunizieren) erhältst. 

Du kannst beim Spazierengehen folgende Übungen miteinbauen:

1. Du läufst Rückwärts und lässt Dein Pferd vor Dir auf Dich zu kommen und schickst es sanft mit der Gerte als Hilfestellung an der Schulter (Schulterkontrolle) von rechts nach links. Entweder im Schenkelweichen oder Schulterhereinartig. Du kannst es ohne Stellung oder mit Stellung und mehr oder weniger Biegung verlangen. Diese steten Übergänge und Wechsel von Rechts- und Linksbiegung machen geschmeidig.


Ähnlich kannst du Schlangenlinien einbauen, wenn du rückwärts oder vorwärts läufst. Entweder ohne das Pferd zu formen, dabei siehst Du gut, wo die Schwächen (Schiefe oder Händigkeit) liegen -
oder in Stellung (bzw. Außenstellung) was
1. die Biegung und
2. das Schulteranheben/freie Schulterbewegung fördern.

2. Auch im Gelände kannst Du Schulterherein und Kruppeherein einbauen und üben. Der Wechsel bringt eine schöne Stärkung des tragenden Hinterbeins.
Hierbei kannst Du überprüfen, wie weit Dein Pferd auf feine Hilfen reagiert, da Du keine Bande hast. Bitte nur soviel, wie Dein Pferd anbietet und mitmacht und löse bei Versuchen oder richtigen Antworten oft auf und gehe vorwärts. Im SH oder KH kannst du in langsamen gesetzten Tempo schreiten, es soll ja die Tragfähigkeit geschult werden und im Vorwärts lässt Du wieder mehr Raumgriff zu (ohne eilig zu werden). Diese Übergänge fördern die Kommunikation: inwieweit Dein Pferd auf Vorwärtsweisende oder Treibende Hilfen reagiert.
Hierfür kannst Du entweder 
- energischer Schreiten (schau wie Dein Pferd das umsetzt)oder
- Dich ein klein wenig mehr mit dem Oberkörper nach vorn lehnen, als würdest Du mit deiner Brust Dich öffnen und nach vorn streben, also mehr Energie entfachen oder
- indem Du selbst größere Schritte machst.

Strecken und aktive Hinterhand (leider unscharf)
3. Je nach landschaftlichen Gegebenheiten ist es sehr sinnvoll viele Hügel, Hänge (auch kleine am Straßenrand) einzubeziehen. Jedes Hoch oder Runter fördert die Balance und Beweglichkeit.  Und dabei löst sich das Pferd und stärkt die Hinterhand. Dabei solltest Du darauf achten, dass es nicht rennt und auf Dich achtet, also nicht davon stürmt. Du kannst schneller oder langsamer oder auch im Trab einen Hügel hinauf gehen.

Achte auf das Zuhören und bei Dir bleiben Deines Pferdes. Auch am Hang anhalten oder rückwärtsgehen fördert Euer Miteinander. Hierbei ist die Hinterhandbewegung zu beobachten - sie soll gestärkt werden im Sinne von:
- tragen (mehr Gewicht aufnehmen) (besonders bergab)
- unter den Schwerpunkt treten (nicht stürmen und der Balance hinterherrennen)
- und den Rücken zu strecken und zu lockern.

4. Je mehr Hindernisse Du findest und sinnvoll nutzt ergibt solch ein Spaziergang eine Menge Möglichkeiten zu "trainieren".
- Bäume ergeben eine schöne bildhafte Slalommöglichkeit. Stellung und Biegung, Außenstellung, Schulterkontrolle und das Untertreten des inneren Hinterbeins ergeben viele fördernde Anregungen.

Schlangenlinie mit oder ohne Stellungswechsel

Schulter vor oder herein, Volten - Variationen
- Liegende Hindernisse wie dickere Äste oder kleine Baumstämme regen zu mehr Vorwärts-Aufwärts an. Im Trab förderst Du den Mut, Beweglichkeit und Aktion Deines Pferdes. Für mehr Konzentration und genaue Hilfengebung kannst Du Dein Pferd über einem Ast stehen lassen - entweder den Ast zwischen Hinter- und Vorderbeinen oder zwischen den beiden Vorderbeinen oder eben den beiden Hinterbeinen. Dabei kannst Du immer wieder ein Bein vor und zurück schicken.
- Aus diesen Konzentrationsübungen kannst Du immer wieder antraben. Das macht und hält fit, fördert eine aktive Hinterhand und Geschmeidigkeit in den Übergängen. Die Bauchmuskeln werden angeregt, gerade wenn es über ein Hindernis geht. Hierbei ist es sinnvoll auf einen entspannten Übergang zu achten. Das Pferd soll nicht erschreckt oder gespannt losrennen, sondern in Selbsthaltung, mit aktiver Hinterhand ohne dabei den Rücken wegzudrücken oder den Kopf und Hals hoch oben als Balancierstange einzusetzen. Bringe Dein Pferd vorher in Balance, damit der Übergang eine gezielte Übung für das Halten von Balance ist. Je nach Schwierigkeit im Übergang kannst Du feststellen, wo eine "Baustelle" ist.

5. Längere gerade Strecken kannst Du toll im Trab nutzen, um die Kommunikation zu verfeinern. Du probierst worauf Dein Pferd am besten reagiert. Ziel ist es im Trab Tempowechsel einzubauen, die Versammlung und Schub fördern. Die Hinterhand wird hier sehr gut trainiert. Achte darauf, dass Dein Pferd nicht auf der Vorhand stoppt, sondern durch mehr Aufrichtung und aktives Abfußen.
Nutze Deinen Körper, um das Pferd zu Bewegungen zu animieren: Ein mehr auf der Stelle aufwärts im Joggen bringt Dein Pferd dazu, sich aufzunehmen. Ein mehr an Vorwärts im Oberkörper (hier reicht schon der Gedanke, ein nach vorn denken aus der Brust heraus, Du sollst ja nicht die Balance verlieren), damit Ihr zulegt. Je nach Miteinander wird Dein Pferd dies umsetzen. Wenn nicht, weißt Du woran Du arbeiten kannst. Hier ist es sinnvoll verschiedene Wörter einzuüben, die Vorwärts oder Aufrichtung in Richtung versammelten Trab unterstützen. Mit der Gerte kannst du treibend, im Takt oder stoppend einwirken. Alles immer nur im Takt und zum richtigen Zeitpunkt, was du eben wo erreichen willst. Du wirst merken, wann Deine Hilfe ein Zuviel oder Zuwenig war.
Das Hin und Her von mehr Vorwärts und mehr versammelten Trab hält aufmerksam und schafft gut Bewegung - für Euch beide.
Du verbesserst die Kommunikation, Fitness und kannst später in der Reitbahn auf der gebogenen Linie einsetzen, was Ihr hier übt. So wirst Du mehr und mehr Dein Pferd mit aktiver Hinterhand aufrichten können, dass die Schulter frei bleibt, der Rücken angehoben wird und es (das ist ja schließlich das Endziel) Dich TRAGEN kann.
Im Vorwärts kannst Du immer solange warten, bis sich Dein Pferd vorwärtsabwärts streckt und dann in den Schritt gehen, so versteht es was Du willst und merkt sich, was richtig war, weil es eine Pause gibt. Später kannst Du dies mit einem Wort verbinden, dass Du beim Longieren im Trab nutzt, um dem Pferd zu sagen, jetzt bitte Dehnen.

Deine Körpersprache ist hier ebenfalls ein wichtiges Mittel, wenn Du herausfindest, worauf Dein Pferd reagiert. Beobachte Dich und reflektiere Dich in deiner körperlichen Kommunikation. Denke daran: Deine Schritte, Schulterachsen, eigene Balance und Blickrichtung können das Pferd beeinflussen. Auch wo DU festhältst oder loslässt.



Im kommenden Beitrag geht es dann um die Bewegungsmöglichkeiten auf dem Reitplatz. Du kannst die hier beschriebenen Übungen auch auf dem Reitplatz probieren oder die Übungen im folgenden Beitrag auf das Gelände übertragen.

Und nun
Viel Spaß!



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ergänzend zu diesem Artikel:

Führ- / Schritt-Parcours Teil 1
Führ- / Schritt-Parcours Teil 2
Führ-Parcours Teil 4 - Körpersprache und Freiheit



Kommentare:

  1. Vielen Dank, sind wirklich interessante Übungen dabei. Mangels richtigem Reitplatz oder gar Halle nehme ich auch gern die Obstbäume zum durchschlängeln oder wir gehen bergauf-bergab am Hang. Allerdings hat mein Pferd je nach Wetterlage ;-) einen starken Vorwärtsdrang, der sich auch schon mal sehr schmerzhaft auf meinem großen Zeh entladen hat...
    Daher wage ich das bisher nur im „geschützen“ Bereich der Koppel, aber mal schauen, wir arbeiten an der Eroberung neuen Terrains.

    In dem Zuge die ultimative Frage des endlich beginnenden Sommers: irgendwelche Tipps bzgl. Bremsenabwehr-Mittelchen? Egal ob selbstgebraut oder Chemiekeule, bin für alles offen, sofern preislich im Rahmen. Es sollte dem Pferd aber wirklich eine Weile Ruhe bringen, damit man ohne Buckelattacken und wildem Kopfwerfen arbeiten kann.
    Ach ja und möglichst, ohne, dass Pferd dadurch stinkt wie ein Iltis und man obendrauf fast im Delirium runterkippt.

    Gibt's da ein Zaubermittel??

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  2. Zum Thema "Zaubermittel gegen Bremsen" möchte ich sagen, dass ich sehr zufrieden mit einer Fliegenausreitdecke mit Hals- Bauchteil bin, den kleinen Rest des Pferdekörpers, der noch zu attackieren ist, sprühe ich mit Bremsenstop oder ähnlichem ein. Dazu gibt es bereits verschiedene Threads im Internet, mit Rezepten und Erfahrungswerten. Ich habe noch nichts gefunden, das ich als ultimatives Mittel bezeichnen kann.
    Zum Thema Vorwärtsdrang: ich kenne Dein Pferd nicht und kann nicht sagen warum das so ist, jedoch war es bei meinen Pferde immer ein Mangel an Respekt, Vertrauen oder konzentriertem Zuhören, am Anfang unserer Beziehung. Das legte sich nach konzentriertem konsequentem Üben auch mit Gerte vorn an der Brust, wirklich nur das Gehen und auf mich achten. Manches klappt je nach Tagesform jetzt auch nicht, aber da braucht es Zeit in dem Moment, bis man weiter macht, bis das wieder stimmt. Pferde können das Lernen. Mein Kleiner hat das Problem jedoch darüberhinaus, weil er sehr Vorhandlastig (sogar schiefe Vorderbeine hat) und da hilft nur, immer wieder im Stand Übungen zum Vorwärtsdehnen mit Stellung und Biegung, daraus das Gewicht nach hinten verlagern und losgehen, anhalten, am besten in Stellung Gewicht nach hinten verlagern und so weiter. So lernt das Pferd nicht so viel Gewicht auf die Vorhand zu schieben und damit auch die Möglichkeit im Schritt nicht so zu drängeln. lg ich hoffe ich konnte helfen

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